Die Farben des Blutes, Band 2: Gläsernes Schwert

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Alleine wird sie sich erheben und alleine wird sie fallen…

Originaltitel: Glass Sword

Autorin: Victoria Aveyard

Seitenanzahl: 576

Altersempfehlung: ab 14 Jahren

Wenn man unglücklicherweise ein Jahr lang dazu gezwungen ist, auf den 2. Band einer Reihe zu warten, kann es leicht passieren, dass sich die Erwartungen auf das Unermessliche steigern, wo doch allgemein bekannt ist, dass Folgebände eher Enttäuschung als Begeisterung bescheren. So aber nicht bei diesem Buch…

Kurz zum Inhalt: Nach dem niederschlagenden Verrat ihres Freundes, hat sich Mare Barrow ein einziges Ziel gesetzt: Maven muss sterben und die Regentschaft der Silbernen über den Roten mit ihm. Genau dieses Ziel hat auch die Scharlachrote Garde, bei der Mare und Prinz Cal nun untergekommen sind. Doch schnell wird klar, dass eben diese Revolte gegen Mares Methoden und Überzeugungen ist. Gemeinsam mit einer kleinen Gruppe, bestehend aus ihren engsten Vertrauten, flieht Mare und sucht sich neue Verbündete. Verbündete, die so sind wie sie selbst und welche die letzte Hoffnung in einem schier ausweglosen Krieg sind, bevor Mare alles verlieren muss. Aber nicht nur diese Rebellion droht sie zu verlieren, sondern auch sich selbst …

Pro: Von Anfang an will ich klarstellen, dass ich schwer begeistert bin, sogar noch begeisterter als vom Debüt der Reihe.
Die Zeit während des Lesens vergeht wie im Flug; kaum versieht man sich, da sind sieben Stunden vergangen und man findet sich völlig verloren in der Spannung und dem Feuer der Handlung wieder. Man hat kurz Zeit um sich in die Geschichte und die von Aveyard erschaffene Welt wieder einzufinden, da stürzt man sich mit Mare und ihren Freunden auch schon ins Getümmel. Auch im weiteren Verlauf des Plots folgt Geschehen auf Geschehen, Verfolgungsjagd auf Verfolgungsjagd und unerwartete Wendung auf unerwartete Wendung, sodass einem schnell einmal der Atem wegbleibt. Besonders bei diesem Ende.
Und dieser Schreibstil! Man merkt, wie geschickt Aveyard mit Worten umgehen kann ohne groß mit Fremdwörtern um sich schmeißen zu müssen, da diese dystopische Erzählung voller Zitate steckt, die man sich am besten gleich aufschreibt, um sie nicht wieder zu vergessen.
Die Charaktere entwickeln sich bemerkbar weiter, ob Cal, Kilorn (der einem mit der Zeit schwer auf das Gemüt schlägt) oder ganz besonders Mare. Die Entscheidungen, die sie trifft   (welche sich zugegebenermaßen oft als wenig vorteilhaft erweisen) machen sie zu einer völlig anderen Person, die sie niemals werden wollte. Nun ist sie eine Einzelgängerin, fast schon kaltherzig und stößt die Menschen, die sie liebt, von sich, um genau diese zu beschützen.
Die Romanze ist ein willkommener Begleiter: Mit vielen Hochs, Tiefs und einer unbestreitbaren Anziehungskraft hält sie den Leser bei Stange und weckt in einem die Hoffnung, dass Mare und Cal vielleicht auf tragische Weise von ihren Gefährten getrennt werden könnten, um sich endlich doch zusammenzuraufen.
Außerdem regt sie ungemein die eigene Fantasie an: Welche Kraft möchte man selbst als Neublütler oder Silberner besitzen? Möchte man ein Springer sein, ein Berster, ein Blitzewerfer oder möchte man vielleicht doch lieber fliegen können?

Contra: So beeindruckt ich auch bin, zwei kleine Mängel wären doch anzubringen, aber wirklich nichts Weltbewegendes:
Erstens würde die Erzählung davon profitieren, wenn es aus der Sicht mehrerer Personen geschrieben wäre. Teilweise ist einem Mares Sicht der Dinge ein bisschen zu wenig und es würde einen freuen durch andere Charaktere mehr Details, Hintergrundgeschichten und Ansichten zu erlangen.
Und zweitens schmückt sich das Buch mit einigen Klischees: Der beste Freund, dessen Herz seit Ewigkeiten für seine beste Freundin schlägt, welche jedoch nichts davon zu bemerken scheint. Oder das unterdrückte, bettelarme Mädchen, welches keine Marionette eines psychopathischen Herrschers sein möchte und eine Rebellion anzettelt. So gesehen, fallen einem bestimmt mehrere Bücher ein, welche auf diese Beschreibung passen würden.

Fazit: „Gläsernes Schwert“ von Victoria Aveyard erhält 4,5 von 5 Sternen. Eine wahrhaftig atemberaubende, spannungsgeladene und über allem Maße gelungene Erzählung, deren Ende einen noch im Schlaf verfolgen wird. Fans von Selection und den Luna Chroniken werden diese Reihe samt den bezaubernden Einbänden und den packenden Seiten verschlingen!
Jetzt bleibt nur die Frage offen, wie man denn nun die Wartezeit bis zum 3. Band überbrücken soll …

Selin, 14 Jahre alt

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GRG in 1210 Wien

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