Der Feuerstein

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Das 523-seitige Fantasy-Buch „Der Feuerstein“ (erschienen in englischer Sprache 2011) wurde von der amerikanischen Schriftstellerin Rae Carson verfasst. Schon in frühester Kindheit spürte sie, wie sehr sie das Erzählen von Geschichten liebte, wandte sich aber erst nach einem Studium der Sozialwissenschaften dem Schreiben zu. „Der Feuerstein“ ist ihr Debütroman und machte mit einigen Nominierungen und Preisen auf sich aufmerksam.

Es handelt sich um eine High-Fantasy-Welt mit klangvollen, spanisch angehauchten Namen, in der klassische Monarchie herrscht. Es gibt drei große Reiche: Joya d’Arena, ein sehr altes Wüstenland, Orovalle, ein jüngerer Ableger Joya d’Arenas, und Invierne, ein ebenfalls schon lange Bestand habendes Reich, welches bereits des öfteren die Grenzen der beiden anderen bedroht hat. Bis jetzt konnte es aber immer zurückgeschlagen werden, der letzte entscheidende Sieg wurde vor zwei Generationen errungen und nun rüstet das Heer wieder auf.

Am Hofe Orovalles lebt die sechzehnjährige Prinzessin Elisa unberührt von all diesen Sorgen, obwohl gerade sie ein schweres Joch trägt, denn sie ist die Trägerin des magischen Feuersteins, die Auserwählte Gottes. Ihr Volk aber verfolgt die Lehre, der Träger des Feuersteins, der ihm bei seiner Namensnennung von Gott in den Nabel gepflanzt wird, solle in Unkenntnis über seine Aufgabe, die in einer speziellen Schrift niedergeschrieben ist, gehalten werden, bis sie sich von selbst offenbart. Da sie in Folge dessen völlig ahnungslos von Intrigen, Kriegen und Machtkämpfen ist, trifft sie die Bekanntmachung ihres Vaters, sie solle König Alejandro aus Joya d’Arena heiraten, völlig unvorbereitet.

Noch verwirrender wird es, als sie den Palast in Joyas Hauptstadt bei Nacht erreichen und der König nicht bekanntgeben will, in Orovalle geheiratet zu haben. Außerdem soll sie verschweigen, welche große Aufgabe auf sie wartet.

Durch Zufall aber entdeckt eine Dienerin ihr Geheimnis und das letzte, woran sie sich in der darauffolgenden Nacht erinnern kann, ist ein Tuch, das sich auf ihr Gesicht presst und seltsame Schläfrigkeit verbreitet . . .

Mir persönlich sagt dieses Buch enorm zu. Von der ersten Seite an liegt eine Spannung in der Luft, die die Gedanken des Lesers nicht zur Ruhe kommen lässt. Das Tempo der Handlung passt sich perfekt an die Ereignisse an, sodass es niemals langweilig wird, aber ebenso wenig überfordert. Der tiefe Einblick in die Hauptperson, welcher sich durch die Ich-Perspektive eröffnet, wird wunderbar ausgenutzt, ohne zu viel zu verraten. Auch Elisa selbst ist eine interessante Persönlichkeit, denn sie isst am liebsten Pasteten und ist dick, weshalb sie sich pausenlos mit Selbstzweifeln herumschlägt.

Das ist auch die einzige Kleinigkeit, die man bekritteln könnte: Elisa wird immer als der schüchterne, unsichere Schatten ihrer scheinbar makellosen Schwester Alodia dargestellt, doch sobald sie in Joya ankommt, wo sie allein ihre Kinderfrau aus ihrer alten Heimat kennt, ist sie plötzlich die Entschlossenheit selbst und gibt sich allen gegenüber hart und stark. Das erscheint mir ein wenig unrealistisch, wo sie dort doch fast niemanden kennt und trotzdem so selbstsicher auftritt.

Möglicherweise brauchte das ihr Charakter aber einfach auch, diese Abgeschiedenheit von ihrer Familie und allen, die sie kannte.

Elisa selbst ist ausgesprochen klug, was dem Erzählten einen angenehmen Fluss verleiht. Man merkt richtig, wie sie in Gebieten, wo sie bisher noch nicht so erfahren war, fortschreitend aufblüht.

Zu erwähnen wäre möglicherweise noch, dass es im Präsens geschrieben ist, was anfangs etwas irritierend war, mir nach den ersten paar Seiten aber bereits nicht mehr auffiel.

Alles in allem finde ich das Buch äußerst gelungen und absolut lesenswert.

~ Karin, 15

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GRG in 1210 Wien

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